Genealogische Fachsprache (A)

  • abandonnierte Orte
    aufgegebene Siedlungen
  • Abgabe
    Bezeichnung für Steuern und Zehnte.
  • abgegangene
    Orte aufgegebene Siedlungen
  • Abgift
    siehe Abgabe
  • Abmeierung
    Entziehung der Nutzungsrechte an einem erbbeliehenen Hof
  • Abschoß
    Abzugsgelder
  • Abstand
    siehe Altenteil
  • Abstinenztag
    Tag, an dem die Gläubigen »kein« Fleisch essen dürfen (= kath. Kirche)
  • Abtei
    Kloster, dem ein Abt oder Äbtissin vorsteht
  • Accise
    Verbrauchssteuer
  • Adelsprobationen
    Aufschwörungen; Nachweis adliger Abstammung in fünf oder mehr Generationen
  • Adjudikation
    gerichtliche Zuerkennung einer Sache
  • Admodiatoren
    Pächter von Gefällen
  • Adoption
    Annahme an Kindes Statt (nur selten gestattet, wenn leibliche Kinder vorhanden waren)
  • Afdracht
    Abzahlung, Bestätigung
  • Affilitation
    (lat.) bezeichnet den Wechsel der Loge eines Freimaurers
  • Affinität
    angeheiratete Verwandtschaft, Schwägerschaft
  • Afscheid
    Abfindung
  • Afscheit
    Entlassung aus Gemeindeverband bei Wegzug
  • Afterlehen
    von Lehensträger an Untervasallen ausgegebenes Lehen
  • agnastische Linie
    Linie eines Stammbaumes, der nur aus Blutsverwandten besteht
  • Agnat
    Blutsverwandter oder -verwandte der männlichen Linie
  • Agnaten
    Mehrzahl von Agnat
  • Ahn
    Stammvater, Vorfahr
  • Ahne
    Stammmutter, Vorfahrin
  • Ahneneltern
    Bezeichnung für den Ahnenteil, der zu einem selber in der 13. Generationen steht
  • Ahnengleichheit
    Mehrfaches Vorkommen der gleichen Personen als Ahnen in der Ahnenliste eines Probanden, bedingt durch Eheschließungen zwischen Blutsverwandten. Das Auftreten von Geschwistern als Ahnen ist frühestens in der dritten, in der Regel aber in späteren Generationen möglich und führt zum mehrfachen Auftreten von deren Eltern in der nächsten zurückliegenden Generation. Vor der dritten Generation zählt Ahnengleichheit zur Blutsverwandtschaft und bildet ein Ehehindernis.
    Durch Ahnengleichheit verringert sich die Anzahl der tatsächlichen gegenüber den theoretisch möglichen Ahnen, woraus sich auch der Inzuchtkoeffizient einer Ahnenliste schätzen lässt.
    In Ahnenlisten, die alphabetisch nach Ahnenstämmen geordnet sind, werden die Personen, die mehrfach Ahnen sind, nur einmal aufgenommen, aber mehrfach verzeichnet durch die Angabe der betreffenden Kekulé-Zahlen des Platzes, den sie sonst in der Liste eingenommen hätten. Dies geschieht, um die durch Ahnengleichheit belegten Plätze von denen zu unterscheiden, die noch nicht erforscht sind.
    Ahnengleichheit tritt wegen bestehender Heiratsschranken besonders stark in dynastischen Ahnenlisten auf; bei örtlich eingeschränktem Heiratskreis ist sie aber oft auch in Gebieten großer Abgeschiedenheit (Isolate) anzutreffen.
  • Ahnengroßeltern
    Bezeichnung für den Ahnenteil, der zu einem selber in der 14. Generationen steht
  • Ahnenhäufung
    siehe Ahnengleichheit
  • Ahnenliste
    Sie beinhaltet die gleichen Informationen wie die Ahnentafel. Jedoch wird sie nicht in einer Baumstruktur festgehalten, sondern sie kennzeichnet sich durch eine lineare Dokumentstruktur aus. Hierbei gibt es zwei Darstellungsmöglichkeiten. Entweder erfolgt die Anordnung der Daten in nummerischer Reihenfolge nach Sosa-Stradonitz, so dass die verschiedenen Generationen sich besser abheben. Oder sie wird in alphabetischer Reihenfolge erstellt, wobei sie dann meistens als Ergänzung zur Ahnentafel angesehen wird.
  • Ahnenpaß
    Bezeichnung für ein Familienstammbuch, das jeder im Dritten Reich erstellen musste, um den sogenannten »Arier-Nachweis« zu erbringen. Der Aufbau des Ahnenpasses gleicht einer Ahnentafel und ist damit meist eine ergiebige Quelle für den Familienforscher.
  • Ahnenprobe
    Urkundlich belegter Abstammungsnachweis von einer bestimmten Anzahl meist adliger Ahnen, bestehend aus dem Nachweis der Ritterbürtigkeit der einzelnen Ahnen (Ritterprobe) und der Rechtmäßigkeit der betreffenden Ehen (Filiationsprobe). Ahnenproben lassen sich in Deutschland seit dem 12./13. Jh. nachweisen.
    So legte z. B. der »Sachsenspiegel« fest, dass die Zugehörigkeit zu einem Stand den Nachweis von vier Ahnen erfordere. Ahnenproben waren Voraussetzung eines Adelsbeweises, für die Fähigkeit zum gerichtlichen Zweikampf, zur Aufnahme in Orden, Stifte oder Domkapitel (Domherrenahnentafeln, s.a. Stiftsfähigkeit), für die Zulassung zu Turnieren, sowie für die Landtagsfähigkeit und zur Erlangung bestimmter Hofämter. Die Zahl der geforderten Ahnen war örtlich verschieden und hatte bis zum Beginn des 18. Jh. eine steigende Tendenz. Sie schwankte zwischen 4 und 32.
    Als Ahnenprobe diente zumeist eine Ahnentafel, in welcher sämtliche zu beweisenden Ahnen mit Vor- und Zunamen sowie dem (oft richtigen, d. h. nicht erfundenen) Wappen (Wappenahnentafel) aufgeführt und die Filiation aus einer rechtmäßigen Ehe urkundlich nachgewiesen sein musste. Mit der Säkularisierung der Kirchengüter zu Beginn des 19. Jh. verloren die Ahnenprobe ihre rechtliche Bedeutung.
    Der Forscher findet Unterlagen über Ahnenprobe vor allem in Domstifts-, Staats- und Stadtarchiven. Auch Grabdenkmäler und Kunstgegenstände weisen zuweilen Ahnenproben in Form von Wappendarstellungen auf.
  • Ahnenreihe
    Spezialform einer Ahnenliste; nach Generationen und nicht alphabetisch nach Ahnenstämmen geordnet. In Aufbau und Nummerierung folgt die Ahnenreihe ebenfalls den Kekulé-Zahlen, d. h. nach dem Probanden kommen in der Liste die beiden Eltern, dann die vier Großeltern usw.
    Eine solche Form der Darstellung gibt einen guten Überblick über alle gleichzeitig lebenden Ahnen und über die verwandtschaftlichen Zusammenhänge der verschiedenen Ahnenstämme.
  • Ahnenschlauch
    Einseitig (zumeist nur in männlicher Folge) geführte, sehr weit zurückreichende Linie in Ahnenlisten oder Ahnentafeln. Der wissenschaftliche Wert eines solchen Ahnenschlauches ist meist gering.
    Wenn man z. B. einen bekannten Anschluss hat, der auf Karl den Großen (742 bis 814) zurück führt, sollte man sich in seiner Ahnenliste mit einem Hinweis auf in der Regel schon publizierte Zusammenhänge begnügen und nicht auf 100 Seiten eine Abschrift derartiger Publikationen bringen und mit einem solchen Ahnenschlauch die Ahnenliste unnötig aufbauschen.
  • Ahnenschwindel
    Fälschung der Filiation; z. B. in erbrechtlichen Auseinandersetzungen. Nicht selten war Eitelkeit ein Motiv, um seine Abstammung mit phantasievollen (oft adligen) Namen und Wappen zu »schönen«, wozu auch professionelle Fälscher beigetragen haben. Bekannte historische Beispiele dafür sind die mit Fälschungen versehenen Turnierbücher (Turnier) im Ausgang des Mittelalters, besonders das von G. Rüxner in vielen Auflagen (1527/1536) verbreitete Buch, sowie z. T. die in der Renaissance aufkommenden »Geschlechterbücher« – die Richtigkeit einer Abstammung belegt der Abstammungsnachweis.
  • Ahnenschwund
    siehe Ahnengleichheit
  • Ahnenstamm
    Stammreihe, Abstammungslinie, die nur über Männer (Väter) führt und in welcher in der Regel der Familienname vererbt wird.
    Ein Ahnenstamm beginnt (mit Ausnahme des Ahnenstammes eines weiblichen Probanden) immer mit einem Ahnenmann, dem der Vater, der Großvater usw. folgen (darum im Unterschied zur »Mütterlinie« auch »Väterlinie« genannt). Ahnenstämme werden in Form einer Liste alphabetisch oder in der Reihenfolge der Generation, mit der jeweils der Ahnenstamm beginnt, geordnet.
  • Ahnentafel
    Ausgehend von einem Probanden wird für jede Generation der entsprechende Elternteil eingetragen. Das heißt, der Proband bildet die Basis und über seine Eltern, sowie über deren Eltern usw. werden alle direkten Vorfahren der Ausgangsperson ermittelt. Die Anzahl an Personen pro Generation wächst dabei exponential an. Als Nummerierung kommt meistens die nach Sosa-Stradonitz zum Einsatz.
  • Ahnenurgroßeltern
    Bezeichnung für den Ahnenteil, der zu einem selber in der 15. Generationen steht
  • Ahnenverlust
    siehe Ahnengleichheit
  • Ahnenzusammenlegung
    siehe Ahnengleichheit
  • Akatholik
    nicht katholischer Christ
  • Akkolade
    (franz.) feierliche Umarmung beim Ritterschlag
  • Akzise
    Verbrauchssteuer; siehe auch Accise
  • Albus
    »Weißpfennig«; alte dt. Münze (Groschenprägung des 14. Jahrhunderts)
  • Albusse
    Mehrzahl von Albus
  • Aldenmoder
    Altmutter, Großmutter
  • Aldermann
    Ältester
  • Alimentationskontrakt
    Beitrag zum Lebensunterhalt
  • allerenden
    überall
  • Allmeid
    (schweiz.) Allmende
  • Allmend
    (schweiz.) Allmende
  • Allmende
    (mhd. Allgemeinheit) Gemeineigentum der Gemeindeglieder, von der Besiedlung freigehalten
  • Allod
    das freie Eigentum, im Gegensatz zum Lehen
  • Allodifizierung
    im 16. Jahrhundert beginnende Umwandlung von Lehen in freies Eigentum
  • Almosenier
    Almosenverwalter, ursprünglich geistliche Funktion
  • Alteil
    siehe Altenteil
  • Alteltern
    Bezeichnung für den Ahnenteil, der zu einem selber in der 4. Generationen steht
  • Altenteil
    bezeichnet Leistungen und Lieferungen, die dem Besitzer eines Gutes (in der Regel eines bäuerlichen), der das Gut einem oder mehreren seiner Kinder bzw. Erben bei Lebzeiten abtritt, auf Lebenszeit zustehen, sowie auch der Vertrag, der dies regelt.
    Das Altenteil ist entweder die persönliche Forderung an den Rechtsnachfolger oder Reallast auf dem Gut; es besteht in Geld oder Naturalien, in der Regel auch einer Wohnung für den »Altenteiler«, einem Grundstück usw.
  • Altgroßeltern
    Bezeichnung für den Ahnenteil, der zu einem selber in der 5. Generationen steht
  • Altsitz
    siehe Altenteil
  • Alturgroßeltern
    Bezeichnung für den Ahnenteil, der zu einem selber in der 6. Generationen steht
  • Altvaterrecht
    siehe Altenteil
  • Ambacht
    Amt, Zunft, Handwerk
  • Ambachtsbrüder
    Zunftbrüder
  • Amptsgerechtigkeit
    Amtsgeld, Gebühren
  • Amptstuck
    Meisterstück
  • Andergeschwisterkinder
    landschaftlich für Verwandte, deren Großväter oder Großmütter Geschwister sind; »Cousins 2. Grades«
  • Anerbenrecht
    Bäuerliches Erbrecht, das darauf zielte, den Hof auf einen von mehreren Erben (Anerben) übergehen zu lassen. Das ältere Anerbrecht (bis 1800) schloss ein Testament über den Hof aus; das jüngere (nach 1800) trat ein, wenn der Bauer keinen Hoferben ausgewählt hatte. Die übrigen Erben erhielten eine angemessene Abfindung.
  • Anfanck
    Zugriff
  • Anfeilrecht
    Vorkaufsrecht des Grundherrn bei verbilligtem Preis
  • Angeld
    Teilleistung – meist in Geldform – zum Abschluss eines Vertrages bzw. Handelsgeschäftes; häufig auch im Sinne von Anzahlung auf eine Kaufsumme, die bei Vertragsabschluss sofort zu zahlen war; der Empfänger, später auch der Geber, wurden dadurch verpflichtet (Unterpfand).
    Nicht selten gaben beide Vertragspartner eine Spende für kirchliche Zwecke oder für ein gemeinschaftliches Essen und Trinken (Leih- bzw. Weinkauf). Wollte der Empfänger des Angeldes von Vertrag zurücktreten, musste er das Angeld (dann Reugeld bzw. Reuegeld) zurückgeben. Ein Angeld war lange auch im Miet- und Gesinderecht üblich.
  • angewünschte Kinder
    Adoptivkinder
  • Angriff
    Verhaftung
  • anlangen
    beschlagnahmen
  • Annalen
    Chroniken in jährlicher Folge
  • Annaten
    (lat.) Abgabe des ersten Jahreseinkommens
  • Anniversarienbücher
    früher Nekrologien für Begüterte
  • Annona
    Großer oder Kornzehnt
  • Annuitäten
    jährliche Abgaben zur Schuldentilgung
  • Anspänner
    sind größere Bauern mit Pferdegespannen
  • Antast
    siehe auch Angriff
  • Antichresis
    Nutzungsrecht
  • anverdingen
    in Auftrag geben
  • Anwassen
    Anschwemmungen bei Rheinwarden
  • Anwender
    Nachbar, Anlieger
  • Anzugsgeld
    im Mittelalter übliche Abgabe für das Niederlassungsrecht
  • Aper
    Eber
  • Apostille
    Empfehlung, Ausdruck für diplomatische Einigung
  • Arfpacht
    Erbpacht
  • Arlant
    Ackerland
  • Arrende
    Rente, Jahresertrag, Teilpacht einer Domäne
  • Arrest
    gerichtl. Auszahlungs- oder Aushändigungsverbot
  • Arrondierung
    Abrundung eines Besitzes
  • Assekuration
    Zusicherung, besonders der Religionsfreiheit
  • Assignaten
    seit 1789 ausgegebenes französisches Papiergeld
  • Assise
    Versammlung von Vasallen, Lehensgericht
  • Aszendentenimplex
    (lat.) Ahnengleichheit
  • Aszendenz
    Verwandte in aufsteigender Linie (Eltern, Großeltern und weitere direkte Vorfahren)
  • Auditor
    juristische Person, auch Schöffe
  • Aue
    Land, von Wasser durch- oder umflossen
  • aufreißen
    Zeichnen eines Wappens, dass alleinige durch die Blasonierung erfolgen sollte
  • Ausgedings
    siehe Altenteil
  • Aussterben
    Das Erlöschen einer Familie(linie), eines Geschlechtes, einer Sippe. Der Sprachgebrauch berücksichtigt dabei im allgemeinen nicht, dass das Blut der Stammeltern noch in den Abkömmlingen weiblicher Familienglieder fließt, selbst wenn alle Träger des Stammnamens verstorben sind
  • Austrag
    siehe Altenteil
  • Auszug
    siehe Altenteil
  • Auszughaus
    Sozusagen das Altenteil auf dem Bauernhof. Der alte Bauer ist nach der übernahme des Hofes durch den Sohn in das Auszugshaus gezogen. Er wird dann auch häufig in den Kirchenbüchern »Auszügler« genannt.
  • Auszügler
    Bauer, der nach der Übernahme des Hofes durch den Sohn in das Auszugshaus gezogen ist.
  • Auszugs-Leute
    … heißen im Chur-sächsischen diejenigen Bauern, welche ihre Güter übergeben und sich einen gewissen Auszug von der Wohnung, Einkünften etc. vorbehalten. Sie werden, wenn sie in keiner besonderen Hütte wohnen, den Hausgenossen, wenn sie aber à part Wohnung haben, den Häuslern in Diensten und anderen Dingen gleich geachtet
  • autorisieren
    ermächtigen, im Amt bestätigen
  • Avensteen
    Ziegelöfen
  • Averdragh
    Vertrag
  • Avergifft
    Übergabe